Restaurierung von Schloss Reichenberg

Nachdem die Grafenfamilie 1731 nach Erbach übersiedelte, verfiel Schloss Reichenberg. Im 19. Jahrhundert stellte Graf Eberhard XV Mittel für den Erhalt der Burganlage zur Verfügung. Das bewahrte sie vor dem endgültigen Verfall.

Seit 1924 setzte sich Jakob Siefert, der erste Privatbesitzer von Schloss Reichenberg, für die Restaurierung ein und sorgte 1936 für ein neues Dach auf der Michaelskapelle.

Zunächst das Amtshaus

Seit 1979 unternahm die OJC-Kommunität große Anstrengungen, um die historische Anlage zu erhalten und zu restaurieren. Zunächst bezogen sich die Arbeiten auf das ehemalige Amtshaus, in das Mitglieder der Kommunität einzogen und das als Tagungs-und Begegnungsstätte genutzt wurde. Restauriert wurde auch das sog. „Hüttchen“.

1982- 88 wurde durch den Schweizer Steinmetzmeister Erich Schneider die Michaelskapelle aufwändig restauriert. Das Deckengewölbe im Chorraum und die Maßwerkfenster wurden erneuert und das gotische Bauwerk wieder seiner ursprünglichen Bestimmung übergeben. Seither dient es wieder als lebendiger Gebetsraum für die OJC-Kommunität und viele Besucher.

Dann die historische Kernburg

Nach dem Verscheiden im Jahr 2006 der vorherigen Eigentümerin, die lebenslanges Wohnrecht im Palais hatte, begann die OJC das Areal der historischen Kernburg zu erschließen. Das umfasst den sog. „Krummen Bau”, den Burghof mit Brunnen und Verliesturm und einem großzügigen Außengelände. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten hat man überraschendes zu Tage gefördert: u.a. die Fundamente der ursprünglichen Schildmauer aus dem 13. Jh. sowie einen der wenigen erhaltenen Renaissance-Rittersäle, deren älteste Säulen und Trägerbalken aus der Reformationszeit stammen.

2007 führte der Steinmetz-Meister Erich Schneider detaillierte Instandsetzungsmaßnahmen am Renaissance-Ziehbrunnen durch. Die Besucher können heute daraus wieder Wasser aus 17 Meter Tiefe schöpfen.

In den folgenden Jahren wurden Arbeiten an den Zwingermauern nach Westen durchgeführt.

Im Bereich der Oberen Burg und im Außengelände nahm 2010 das „Erfahrungsfeld Schloss Reichenberg” die Arbeit auf und wird seitdem kontinuierlich erweitert.

2011 wurde die sorgfältige Sanierung des Rittersaales fertiggestellt.

Überraschende Entdeckung

Ebenfalls 2011 wurde während Erdarbeiten im östlichen Zwingerbereich durch ein junges internationales Freiwilligen-Team (Internationales Baucamp der OJC-Kommunität) ein bis dahin nicht bekannter Latrinenschacht freigelegt. Ein Grabungsteam des Landesamtes für Denkmalpflege unter Leitung von Ralf Klausmann förderte inmitten von Erde und Schutt recht edle Teile von Hausrat zutage und konnte einige davon auch wieder zu kompletten Stücken zusammenkleben. Dadurch konnten interessante Rückschlüsse auf Lebensstandard und Gewohnheiten der ansässigen Grafenfamilie im 17. und 18. Jahrhundert gezogen werden.

Baumaßnahmen bis 2018

2012 konnte - nach einer Sanierung des Gewölbes - eine Strickleiter in den Verliesturm installiert werden, die es Besuchern heute erlaubt, hinabzusteigen.

Im selben Jahr fanden umfangreiche landschaftsgärtnerische Arbeiten im Außengelände statt, in deren Zuge auch die Waldkirche im ehemaligen Mauergarten eingerichtet werden konnte.

2013 konnte der Nordflügel des ehemaligen Amtshauses komplett saniert werden. Der neue Anstrich und die leuchtend roten Tor-Einfassungen geben dem Innenhof einen schmucken Charakter.

2014 war ein besonders ereignisreiches Jahr:

Im Mai des Jahres wurde eine einzigartige Wasserklang-Installation eingeweiht, die den historischen Ziehbrunnen um ein Aktionselement ergänzt. Im September wurde ein imposantes neues Eichentor in seine Angeln eingehängt. Im Dezember baute der Odenwälder Glaskünstler Robert Münch sieben Kirchenfenster in die Michaelskapelle ein.

weitere Maßnahmen

Denkmalschutz und freiwillige Hilfe

Alle Restaurierungsarbeiten werden in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehördern des Kreises und des Landes durchgeführt. 
Ein Großteil der Arbeiten erfolgt in Eigenleistung, mit dem Jahres-Freiwilligenteam und ehrenamtlichen Helfern, die sich im Rahmen von Bauwochen oder internationalen Jugendbegegnungen engagieren.